Über den Nine Mile Canyon nach Green River

Die längste Kunstgalerie der Welt – Auf Spurensuche im Nine Mile Canyon

Nach zwei tollen Tagen hieß es Abschied nehmen von Vernal.  Unser Tagesziel war die Kleinstadt Green River, doch statt der schnellen Interstate wählten wir einen Weg, der uns tief in die prähistorische Vergangenheit Utahs führte: den legendären Nine Mile Canyon.
Dieser Canyon trägt völlig zu Recht den Beinamen „die längste Kunstgalerie der Welt“. Auf einer Länge von rund 40 Meilen (ca. 64 km) verbirgt sich hier die weltweit größte Dichte an prähistorischen Felsritzungen. Die Fremont-Kultur und später die Ute-Indianer haben die Sandsteinwände über Jahrhunderte hinweg als gigantische Leinwand genutzt.

 

Ein Insider-Tipp als perfekter Wegweiser

Viele der faszinierenden Petroglyphen – wie das weltberühmte Great Hunt Panel oder das versteckte Owl Panel – liegen direkt am Straßenrand, während andere sehr leicht zu übersehen sind. Wir hatten jedoch einen tollen Wegweiser in der Tasche. Die exakten Standorte und Koordinaten für die schönsten Felsbilder hatten wir aus dem genialen Fotoguide USA Südwesten: Band 3: Utah von Martin Piskernig.

(Transparenz-Hinweis, weil mir das wichtig ist: Martin ist ein Facebook-Freund von mir. Ich empfehle sein E-Book hier komplett freiwillig und ohne einen Cent dafür zu bekommen – sein Buch hat uns auf dieser Strecke einfach den Tag gerettet und uns zu Ecken geführt, an denen wir sonst blind vorbeigefahren wären!)
Dank dieser präzisen Tipps verbrachten wir Stunden damit, von Panel zu Panel zu fahren. Wir staunten über perfekt erhaltene Darstellungen von Dickhornschafen, Jägern mit Pfeil und Bogen sowie mystischen Mustern, die hunderte von Jahren alt sind. Es fühlte sich an wie eine riesige, hochspannende Schatzsuche in einer menschenleeren Gegend. 

 

 

Ein Fels sieht ganz lustig aus, nämlich wie das Gesicht eines Schweins

 

 

Hierzu muss man eigentlich auch nichts mehr sagen, ausser sich an den Kopf zu fassen. Einerseits wird man darauf aufmerksam gemacht, bitte keine Rockart zu zerstören und dann machen Grundstücksbesitzer genau das. 

 

Eines der populärsten und bekanntesten Panels ist „The Great Hunt" – einfach fantastisch. Man kann nur hoffen, dass es von respektlosen Besuchern verschont bleibt und nicht Trumps Ressourcenpolitik zum Opfer fällt, bei der wirtschaftliche Interessen über den Schutz solcher Orte gestellt werden

 

The Great Hunt
Nine Mile Canyon, Utah

Als die Schatten im Canyon länger wurden, ließen wir die  Felswände hinter uns und rollten schließlich am Abend voller neuer Eindrücke in unserem Hotel in Green River ein

 

Magie in der Wüstennacht – Polarlichter über der Hastings Road

Als wir an diesem Abend in Green River eincheckten, dachten wir eigentlich, der Tag könnte kaum noch getoppt werden. Denkste.

 

Beim Blick aufs Smartphone schlug meine Polarlicht-App plötzlich Alarm: geomagnetischer Sturm, extrem hohe Wahrscheinlichkeit, die Aurora Borealis weit im Süden zu sichten. In den Jahren um 2024 befand sich die Sonne in einem absoluten Aktivitätsmaximum, was solche Phänomene selbst in den Wüstenstaaten möglich machte.

 

Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Also kurzerhand wieder ins Auto und raus aus der Stadt auf die stockfinstere, einsame Hastings Road.

 

Und dann: Nach einer Weile des Wartens färbte sich der Horizont tatsächlich leicht rötlich. Kein riesiges tanzendes Lichtermeer wie am Nordkap, aber ein feiner, mystischer Schleier war deutlich über den weiten Silhouetten Utahs zu erkennen. Mitten in der Wüste Polarlichter zu sehen – das war surreal. Und hat diesen ohnehin schon tollen Tag perfekt abgerundet.

 

Motel:

First Choice Inn, inkl. leckerem Frühstück, sehr sauber. Die Preise in Green River haben sich mittlerweile sehr an Moab angepasst, hier stimmt das Preis-Leistungsverhältnis noch.